Mit dem heutigen Spatenstich beginnt die Kelag Energie & Wärme mit der Umsetzung einer neuen Biomasse-Dampfkesselanlage in Pinkafeld. Gemeinsam mit der Prozessdampfversorgung des Dämmstoffherstellers Austrotherm wird die regionale Wärmeversorgung auf erneuerbare Energie umgestellt.
Kernstück des Projekts ist eine Biomasse-Dampfkesselanlage mit einer Leistung von rund sechs Megawatt, die durch Wärmerückgewinnung, eine elektrische Wärmepumpe und Speichertechnologie ergänzt wird. „Mit der neuen Biomasse-Dampfkesselanlage schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige Prozessdampfversorgung von Austrotherm und treiben zugleich die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung in Pinkafeld voran. Die Verbindung von industrieller Prozessdampfversorgung und Fernwärme ermöglicht eine besonders effiziente Nutzung der erzeugten Energie. Mit einem Investitionsvolumen von rund 13 Millionen Euro schaffen wir die Voraussetzungen dafür, künftig nahezu vollständig auf fossile Energie zu verzichten und Wärme sowie Prozessdampf auf Basis erneuerbarer Energie aus Biomasse bereitzustellen“, erläutert Andrea Domberger, Geschäftsführerin der Kelag Energie & Wärme.
Energiestandort mit Tradition
Pinkafeld zählt zu den Pionierstandorten der Fernwärme in Österreich. Bereits Anfang der 1960er-Jahre wurde hier eine zentrale Wärmeversorgung aufgebaut. Seit mehr als sechs Jahrzehnten versorgt das Fernwärmesystem Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Haushalte zuverlässig mit Wärme und wurde dabei laufend an die Infrastruktur sowie neue technologische und energiewirtschaftliche Anforderungen angepasst. Mit der neuen Biomasseanlage wird diese Entwicklung konsequent fortgesetzt. Das rund 15 Kilometer lange Fernwärmenetz schafft die Voraussetzungen für ein effizientes und integriertes Energiesystem und hat Potential weitere Bereiche zu erschließen.
Adrian Kubat, Bürgermeister der Stadtgemeinde Pinkafeld: „13 Millionen Euro investiert man nicht irgendwo. Man investiert dort, wo man an die Zukunft glaubt. Dass die Kelag Energie & Wärme diese Investition in Pinkafeld tätigt, ist ein starkes Bekenntnis zu unserem Wirtschaftsstandort. Mit der neuen Anlage erhält Austrotherm eine nachhaltigere Energieversorgung und damit eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft am Standort Pinkafeld. Gleichzeitig kommen wir als Gemeinde beim Ausstieg aus fossiler Energie einen wichtigen Schritt weiter. Denn entscheidend ist nicht, wie viel über die Energiewende gesprochen wird, sondern was tatsächlich umgesetzt wird. Mein besonderer Dank gilt den Verantwortlichen der Kelag Energie & Wärme und Austrotherm für ihren unternehmerischen Weitblick und das Vertrauen in unseren Standort.“
Industrie und Fernwärme nutzen Synergien
Eine besondere Stärke des Projekts liegt in der intelligenten Verbindung von industrieller Prozessdampfversorgung und städtischer Fernwärme. „Wer durch seine Produkte langfristig Energieeinsparung ermöglicht, muss auch selbst sorgsam mit Energie umgehen. Mit der neuen Biomasse-Dampfkesselanlage stärken wir die Versorgungssicherheit unseres Standorts Pinkafeld und investieren zugleich in eine nachhaltige Energiezukunft. Damit verbinden wir wirtschaftlichen Erfolg mit unserer Verantwortung gegenüber Umwelt und kommenden Generationen“, sagt Christoph Pröbstl, Geschäftsführer der Austrotherm Österreich GmbH.
Industrieprozesse stellen je nach Produktionssituation unterschiedliche Anforderungen an die Energieversorgung. Die Dampferzeugung muss daher flexibel auf den konkreten Bedarf des Kunden reagieren können. Durch die Kombination mit dem Wärmebedarf der Stadt Pinkafeld entsteht ein integriertes Energiesystem, das verschiedene Bedarfsprofile sinnvoll zusammenführt und dadurch zusätzliche Flexibilität schafft. So können Prozessdampf und Fernwärme effizient aufeinander abgestimmt, erneuerbar bereitgestellt und Synergien für den Industriebetrieb ebenso wie für die regionale Wärmeversorgung genutzt werden.
Durch Rauchgaskondensation und den Einsatz einer Hochtemperatur-Wärmepumpe wird ein wesentlicher Teil der im Rauchgas enthaltenen Energie zurückgewonnen und für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht. Dadurch steigt die Gesamteffizienz der Anlage: Aus derselben Menge Biomasse kann mehr erneuerbare Energie für Prozessdampf und Fernwärme bereitgestellt werden.
„Die Energiezukunft kann nur gelingen, wenn wir die Dekarbonisierung im Wärmebereich konsequent vorantreiben. Dabei geht es nicht nur um die Wärmeversorgung von Wohn- und Bürogebäuden, sondern auch um tragfähige Lösungen für industrielle Prozesse. Das Projekt in Pinkafeld ist dafür ein Musterbeispiel: Es zeigt, wie Energieversorger, Industriebetriebe und kommunale Wärmeversorgung gemeinsam neue Wege gehen können. Durch die Verbindung von Prozessdampfversorgung und Fernwärme entstehen effiziente, erneuerbare und flexible Energiesysteme, die fossile Energie weitgehend ersetzen, regionale Wertschöpfung stärken und die Unabhängigkeit unseres Energiesystems erhöhen. Damit leisten Projekte wie dieses auch einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Sicherheitsarchitektur Österreichs“, so Kelag-Vorstand, Reinhard Draxler.
Versorgungssicherheit bleibt gewährleistet
Auch nach der Inbetriebnahme der neuen Anlage steht die Versorgungssicherheit an oberster Stelle. Die bestehenden Erdgaskessel bleiben als Reserve- und Spitzenlastanlagen erhalten und können bei besonders hoher Nachfrage oder während Wartungsarbeiten die Wärmeversorgung zuverlässig absichern.
Philip Juranich, Landtagsabgeordneter der GRÜNEN Burgenland: „Wenn wir fossile Energieträger ersetzen und unabhängiger von Öl und Gas werden wollen, brauchen wir einen ausgewogenen Mix aus erneuerbaren Energiequellen. Neben Sonne und Wind spielt dabei auch Biomasse eine wichtige Rolle, weil sie unabhängig von Wetter und Tageszeit verlässlich Energie liefern kann. Die neue Anlage in Pinkafeld zeigt, wie fossile Energieträger auch in der Industrie ersetzt und gleichzeitig die regionale Wertschöpfung gestärkt werden können.“
Die deutlich verbesserte ökologische Qualität der Wärmeerzeugung macht Fernwärme künftig auch für weitere Kundinnen und Kunden in Pinkafeld attraktiv. Damit eröffnet das Projekt zusätzliche Möglichkeiten, neue Anschlüsse zu realisieren, das bestehende Netz weiter zu verdichten und die regionale Wärmeversorgung nachhaltig auszubauen.
Inbetriebnahme Ende 2027 geplant
Die Bauarbeiten werden rund eineinhalb Jahre dauern. Die Inbetriebnahme der neuen Biomasse-Dampfkesselanlage ist für Ende 2027 vorgesehen.
Eckdaten zum Projekt
- Projektziel: Dekarbonisierung von Prozessdampf und Fernwärme
- Anlagenleistung: rund 6 Megawatt
- Investitionsvolumen: rund 13 Mio. Euro
- Fernwärmenetz: rund 15 Kilometer
- Eigentümer: Kelag Energie & Wärme (100 %)
- Co2-Einsparung: 5200 Tonnen pro Jahr
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